Die neue Ehrlichkeit

Die letzten Wochen waren – interessant. Und schon ein falsches Wort gewählt. Interessant ist in etwa die Beschreibung eines Party-Gastes, mit dem niemand reden will, der aber, da er auf der Gästeliste steht, nicht einfach so kritisiert oder ignoriert werden sollte …

Die letzten Wochen waren unbeschreiblich. Spannend, herausfordernd, pulsierend. Es gibt einen Paradigmenwechsel. Einen druckvollen und ernstzunehmenden. Junge Medien und junge Menschen treiben diesen voran, und „Etabliertes“ verliert an Boden. Und einige der „etablierten“ Protagonisten zeigen ein gar nicht so unsympathische Gesicht.

Derzeit darf ich mich mit der Positionierung einiger erfolgreicher, inhabergeführter und in ihren speziellen Bereichen auf hohem Niveau agierender Unternehmen befassen, war involviert in der Erstellung der Geschäftsberichte einiger Top-Börsennotierer. Und was soll sich sagen: der Respekt vor wirklich nachhaltigem Agieren ist immens, das Bedürfnis, nachhaltig, ehrlich und authentisch zu kommunizieren, wächst täglich. Das ist spürbar bis auf bundesministeriale Ebenen.

Eine neue Ehrlichkeit … Fast hatte ich das Gefühl, dass man sich scheut, Dinge anzusprechen, bevor sie „geerdet“ sind … Schicke, zeitgemäße Formulierungen zu verwenden, bevor die Substanz nicht belegbar ist. Eine neue, gute Erfahrung. „Wenn wir das wollen, können wir uns doch auch dazu bekennen.“ „Wenn wir das nicht sind und leisten können, sollten wir das aber so auch nicht sagen.“ Statements in dieser oder ähnlich lautender Qualität habe ich in dieser Häufigkeit selten vernommen. Und, ja, sie könnten symptomatisch für eine neue Ehrlichkeit stehen. Die dringend notwendig ist.

Inzuchtfordernde Parolen, wie sie derzeit in Wien auf Plakaten einer Art Untergangsbewegung zu lesen sind, erschüttern natürlich – aber die Ehrlichkeit, der Mut zum ehrlichen Disput, wird auch hier zeigen, dass die Platitüden von gestern morgen nichts mehr bewegen. Im Straßenbild ist dies schon jetzt zu beobachten, und „Facebook“ tut sein Übriges.

Die neue Ehrlichkeit … ja, sie keimt auf. In Gesellschaft, Wirtschaft, Politik. Niemand hat etwas dagegen, wenn man sagt, „ich habe Angst“, „das ist aber ein Kompromiss“, „das verstehe ich nicht“. Aber immer mehr haben etwas dagegen, wenn man fassadenartiges Geschwätz weiter betreibt und zuläßt. Gut so.

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Über DerJoerg

Beobachtungen zu den Themen Marke, Kommunikation, Leben
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