Was ist eigentlich an Innovation so toll?

Innovation! Wir suchen innovative Lösungen, innovative Wege müssen beschritten werden, die Zukunft lebt von Innovation! Im Zuge einer Veranstaltung von Blögger mache ich mir meine Gedanken über Innovation. Den Begriff, die Assoziationen. Er ist ja sehr positiv besetzt, schwingt doch Dynamik, Änderungswille, eine gute Prise Radikalität mit. Jugend, Unruhe, Entdeckergeist. Ach, herrlich, auf zu neuen Ufern! Aber:

Sind Optimierung und Anpassung nicht auch Innovationen, nur sanft?

Was ist das Gegenteil von Innovation – Archaik?

Muss Innovation radikal sein, damit sie fasziniert?

Brauchen wir Innovationen in der Zukunft, um unseren Mist aus der Vergangenheit besser bewältigen zu können oder nur, um uns nicht zu langweilen? Hieße das, dass wir Innovationen für die Zukunft um ihrer selbst Willen lieben, weil dies von unseren vergangenen Fehlern ablenkt (die, wenn wir sie in dieser Mannigfaltigkeit nicht begangen hätten, gar nicht so viele innovative Lösungen zu ihrer Behebung bräuchten?).

Kann Traditionelles Sinn machen, selbst wenn es um die Zukunft geht?

Was ist denn das Tolle an Innovation?

Festzustellen ist jedenfalls, dass der Gebrauch des Wortes Innovation etwas Faszinierendes, Positives hat. Gegen Tradition, „Altes“ sich behauptet, das Neue, Bessere beschwört. Hier ist ja auch prinzipiell nichts daran auszusetzen – wenn man nicht vergisst, dass Tradition, Erfahrung und Herkunft auch Sinn machen. Der Innovationsdruck ist immens, so lautet nämlich die Kehrseite der Medaille. Nicht innehalten, neu, anders, weiter. Innovation um ihrer selbst Willen (siehe oben). Die Treiber werden zu Getriebenen, die Sache steht längst nicht mehr im Focus. Dabei verbrennen sie – sich selbst und vielleicht auch die Ressourcen, die es eigentlich zu bewahren gilt.

Innovative Unternehmen – ja. Bei einem innovativen Unternehmen arbeitet man gern. Warum eigentlich? Unternehmen mit hoher Innovationsrate haben eigentlich das Problem, dass ihre Produkte nur sehr kurze Lebenszyklen haben. Ein innovatives Unternehmen ist also spitz formuliert eine Firma, die nicht in der Lage ist, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das länger als nur eine recht kurze Zeitspanne von wenigen Monaten Bestand hat oder Sinn macht. Da hat’s der eine oder andere traditionelle Betrieb doch viel gemütlicher.

Aber, so Traditionen, die sind halt die Bremsklötze unserer Fahrt in die Zukunft. Wer braucht schon Traditionsbetriebe wie … Ja, sind das nicht eigentlich auch innovative Unternehmen, die IMMER noch, in einer Tradition verwurzelt, existieren, verantwortlich agieren und ihr(e) Produkt(e) behutsam optimieren und manche Dinge belassen, weil sie sich schlicht bewährt haben? Und dass hier Wissen angesammelt und weitergegeben wird, ist ja auch von Vorteil, für das Unternehmen und auch für den Konsumenten. Hilft es doch in der Kaufentscheidung, beispielsweise. Es muss ja nicht jeder von jedem alles wissen, um immer Ähnlicheres hervorzubringen, zu Lasten des Typischen.

Mir geht es mit dem Innovativen ein bischen wie mit dem Nachhaltigen. Es ist eine gewisse Überdosis unreflektierter Verwendung davon im Einsatz.

Es wäre gut, sich zu sensibilisieren, nachzudenken, um mit „radikaler Besonnenheit“ die richtige Mischung aus Revolution, Evolution und Tradition zu finden. Schwer genug. Und irgendwie auch innovativ.

Übrigens: “Tradition ist nicht das Halten der Asche sondern das Weitergeben der Flamme.” Thomas Morus (1478-1535)

Buchtipp:

Leonhard Reinisch (Hrsg.): Vom Sinn der Tradition (1970) ISBN 3-406-02468-8


Blogparade Innovation

Alle, äußerst lesenswerten Beiträge zur Blogparade “Zukunft-Innovation” gibt es hier.

Die Links zu den einzelnen Beiträgen:

  • Stefan Hagen: Was zeichnet ein innovatives Unternehmen aus?
  • Heinz Peter Wallner: Innovation. Dem Dickicht der Zwergenwelt entfliehen?
  • Cornelia Daniel: Gesellschaftsfreundliche Produkte als Innovationsmotoren
  • Jörg Liemandt: Was ist eigentlich an Innovation so toll?
  • Hannes Offenbacher: Innovation? Nicht labern, machen!
  • Thomas Mathoi: Innovatives Bauwesen (?)
  • Marcus Ambrosch: Zukunft, Innovation von Menschen, Management und Organisationen
  • Diana Ljubic: Innovation
  • Stefan Mey: Thema verfehlt
  • Franz Kühmayer: Der Wendepunkt

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    Beobachtungen zu den Themen Marke, Kommunikation, Leben
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    8 Antworten zu Was ist eigentlich an Innovation so toll?

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